Amalgam als Quecksilberquelle für Mensch und Umwelt
(Quelle Hier&Jetzt 2/2004)
....Die Verwendung nimmt aber kontinuierlich ab, da Patienten
Amalgam mittlerweile aus gesundheitlichen Gründen ablehnen, obwohl
die Krankenkassen immer noch nur die Kosten für Amalgamfüllungen
erstatten. Daher wird momentan Amalgam meist in Personen der
unteren sozialen Schichten eingebaut. In Zweit- und
Dritt-Weltländer nimmt die Amalgamverwendung aber wegen zunehmender
Karies (durch Übernahme der schlechten westlichen
Ernährungsgewohnheiten) zu, so dass die Umweltbelastung mit
Quecksilber weltweit weiterhin steigen wird. In den letzten 100
Jahren hat der Quecksilbergehalt im Fisch um das 270 fache
zugenommen, allein in den letzten 25 Jahren ist dieser um das 3-5
fache gestiegen. In den Organen wird es zu der sehr toxischen Form
Hg++ oxidiert, welches fest an Zellstrukturen (hauptsächlich
Thiolgruppen) gebunden ist und dann nicht mehr die Blut- Hirn-
Schranke überwinden kann [3]. Es findet eine Anreicherung in den
Organen statt. Weiterhin durchdringt Hg-Dampf die Mund- und
Riechschleimhaut. Ein direkter nervaler Transport von Hg in das ZNS
durch sensorische, motorische und sensible Hirnnerven (z.B.
Riechnerv) wird diskutiert [4, 5, 6, 7, 8, 9, 10]. Quecksilber aus
Amalgam diffundiert auch in das Zahnbein und wird von der Pulpa und
dem Kiefer aufgenommen, was als eine Ursache für die Entstehung
chronischer lokaler Entzündungen angesehen wird [11]. Amalgam ist
eine Hauptquelle der menschlichen Quecksilberbelastung [12], wie
Studien an Tieren und Menschen zeigen [13, 14, 15, 16, 17, 18, 19,
20]. Bei Amalgamträgern konnte dabei eine etwa 2-5 fache Erhöhung
der Quecksilberkonzentration im Blut und Urin sowie eine 2-12 fache
Erhöhung des Quecksilbergehalts in verschiedenen Organen beobachtet
werden [21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35,
36, 37]. Somit trägt Amalgam für einen Großteil der Bevölkerung in
Industriestaaten mehr zur Quecksilberbelastung bei als Fischkonsum
[38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45]. Mütterliche Amalgamfüllungen
führen auch zu einer signifikanten Erhöhung der
Quecksilberkonzentrationen in Organen und Haar von Feten und
Neugeborenen, wobei die Quecksilberorgangehalte der Feten und
Säuglinge mit der mütterlichen Amalgamfüllungszahl korreliert [46,
47, 48, 49, 50, 51, 52]. Auch die Hg-Konzentration von Brustmilch
korreliert signifikant mit der Zahl der Amalgamfüllungen der
Mutter; dabei ist Amalgam die Hauptquelle für Hg in der Muttermilch
[53, 54, 55]. Durch Mikroorganismen können im Gastrointestinaltrakt
aus anorganischem Hg die besser resorbierbaren organischen
Quecksilberformen entstehen [56, 57, 58]. Amalgamträger haben eine
dreifach erhöhte Methyl-Quecksilberkonzentration im Mund im
Vergleich zu Personen ohne Amalgam [59]. Trotz der oben angegebenen
Studien, welche zum Großteil in international anerkannten
Fachzeitschriften mit hohen Impact-Faktoren (Maß für die Qualität
von Zeitschriften) veröffentlicht sind, wird von
Zahnärzteorganisationen immer noch behauptet, dass Amalgam im
Vergleich zu anderen Quellen wenig bzw. vernachlässigbar zur
Hg-Belastung des Menschen beiträgt [60, 61, 62, 63, 64, 65, 66].
Diese Behauptungen sind aber meist in Journals veröffentlicht,
welche einen geringen oder keinen Impact-Faktor haben.
Giftigkeit von Quecksilber im Vergleich zu anderen Schwermetallen
Quecksilber wird als das giftigste nichtradioaktive Element
angesehen. Es soll die sechst giftigste Substanz von etwa 3
Millionen Substanzen weltweit sein. Das Quecksilberion (Hg++),
welches in der Zelle durch Quecksilberdampf entsteht, ist giftiger
als andere Metalle, wie z.B. Pb++ oder Cd++, da seine
Bindungsstärke an Thiolreste von Proteinen höher ist
(Bindungskonstante 1030-40), was zur irreversiblen Inhibition der
Proteinfunktionen führt. Dies könnte die sehr lange Halbwertszeit
von Quecksilber in sich nicht erneuernden Geweben (z.B. Gehirn) von
mehreren Jahren bis Jahrzehnten erklären [67, 68, 69, 70, 71].
Andere Schwermetalle bilden reversible Bindungen zu Proteinen und
sind deshalb weniger toxisch. Hg++ bindet auch nicht stark genug an
Carboxyl-Reste von organischen Säuren (wie z.B. Zitronensäure),
welche die Toxizität abschwächen. Chelatbildner, wie z.B. EDTA,
welche normalerweise die toxische Wirkung von Schwermetallen
verhüten, haben keinen inhibitorischen Effekt auf die Giftigkeit
von Quecksilber oder steigern diese sogar [72, 73, 74]. Auch andere
Chelatbildner (z.B. DMPS und DMSA) verhüten die giftigen Wirkungen
von Cd++ und Pb++, aber nicht von Hg++ [75]. Natürliche
körpereigene Chelatoren wie Vitamin C, Glutathion oder
alpha-Liponsäure, als Medikamente eingesetzt, haben nicht die
Fähigkeit, Quecksilberablagerungen aus dem Nervengewebe zu
entfernen [76]. DMPS führte bei Tieren zu einer Erhöhung der
Hg-Konzentration im Rückenmark [77]. DMPS oder DMSA steigern sogar
die Hemmung von Enzymen durch Hg und Cd, nicht aber durch Pb [78].
Die Toxizität von Methyl-Quecksilber (Me-Hg), welches in Fisch an
Cystein gebunden vorkommt, scheint weit geringer zu sein (nur etwa
1/20), als das bisher in Experimenten eingesetzte Me-Hg-Cl oder
Me-Hg-J [79]. Außerdem stellt Meeresfisch eine bedeutende Quelle
von Selen dar, welches einen Schutz vor toxischen
Quecksilberwirkungen gewährt. Trotzdem wirkt das experimentell
giftigere Me-Hg weniger neurotoxisch auf das im Wachstum
befindliche Nervensystem als Quecksilberdampf [80]. Eine Exposition
gegenüber beiden Hg-Formen zeigt dabei einen synergistischen
Effekt. Eine Studie deutet auf eine geringere Neurotoxizität von in
Fisch vorkommendem Me-Hg im Vergleich zu iatrogenen (durch Ärzte
verursachte) Hg-Quellen hin (Amalgam, Thiomersal) [84]. Hier zeigte
sich keine Abhängigkeit zwischen mütterlichem Fischkonsum während
der Schwangerschaft und dem Autismusrisiko der Kinder [85]. Die
Toxizität von Hg wird bei Anwesenheit anderer Metalle synergistisch
gesteigert. So sterben Ratten bei gleichzeitiger Gabe der
jeweiligen Letalen Dosis Hg und Blei, bei der normalerweise 1% der
Tiere sterben (LD1), zu 100% (LD1(Hg) + LD1(Pb) = LD100) [86].
Ist die Quecksilberbelastung des Körpers im Blut oder Urin
überhaupt messbar?
Es gibt Studien, die belegen, dass die Quecksilberkonzentrationen
in Blut und Urin die tatsächlich vorhandenen Quecksilbermengen im
Körper nicht widerspiegeln. So konnte an Tieren und Menschen
nachgewiesen werden, dass trotz normaler oder niedriger
Quecksilberwerte im Blut, Haar oder Urin hohe Quecksilbermengen in
den Organen vorhanden sind [87, 88; 89, 90, 91, 92; 93, 94, 95,
96]. Weiterhin zeigten Drasch et al. [97, 98, 99], dass 64% von
quecksilberexponierten Arbeitern in philippinischen Goldminen,
welche Zeichen einer Quecksilbervergiftung aufwiesen, im Urin
lediglich Quecksilberkonzentrationen unterhalb der in Deutschland
geltenden Grenzwerte hatten.
Mögliche Amalgamnebenwirkungen
Nierenerkrankungen
Im Tierversuch konnte eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion
durch Amalgamfüllungen beobachtet werden [100, 101; 102]. Personen
mit Amalgamfüllungen zeigen Zeichen einer tubulären und
glomerulären Schädigung im Vergleich zu Personen ohne
Amalgamfüllungen [103].
Oxidativer Streß
In Zellkulturen werden durch Amalgam Chromosomenaberrationen
ausgelöst [104]. Bei Amalgamträgern findet sich eine signifikant
erhöhte oxidative Belastung im Speichel [105, 106] und im Blut
[107, 108], welche mit der Füllungszahl korreliert. Niedrige
Quecksilberkonzentration führen zu erhöhtem oxidativen Stress und
Reduktion des Glutathiongehaltes [109, 110].
Quecksilber wird im Körper bevorzugt an Selen gebunden abgelagert,
wobei das an Hg gebundene Selen nicht mehr für die köpereigenen
Prozesse zur Verfügung steht. Quecksilber aus Amalgam kann einen
möglichen Selenmangel auslösen oder verstärken, was in Ländern mit
schlechter Selenversorgung (wie z.B. Deutschland) vorkommen kann
[111, 112].
Autoimmunerkrankungen
Quecksilberexposition im Niedrigdosisbereich, wie sie bei
Amalgamträgern vorkommt, wird von einigen Autoren als eine Ursache
für Autoimmunerkrankungen, wie z.B. rheumatische Erkrankungen,
Multiple Sklerose, Autoimmunthyreoiditis oder systemischer Lupus
erythematodes (SLE), angesehen [113, 114, 115, 116, 117, 118, 119,
120, 121]. Diese Effekte können auch bei Exposition unterhalb von
Grenzwerten auftreten [122]. Die Häufigkeit von besonders
anfälligen Personen wird laut einer neueren schwedischen
Risikoanalyse auf 1% geschätzt [123].
Alzheimer
Von einigen Autoren wird Quecksilber als eine Ursache für die
Alzheimer-Demenz (AD) angesehen [127, 128, 129; 130]. Experimentell
konnte nur Hg (nicht Al, Cd, Co, Cr, Cu, Mn, Pb, Zn, Fe) in Zell-
und in Tierversuchen alle alzheimertypischen strukturellen und
biochemischen Zellveränderungen auslösen [131, 132, 133, 134, 135,
136, 137, 138, 139, 140]. Andere vorhandene Metalle wirken
allerdings synergistisch zu Hg [141]. Die experimentell verwendeten
Hg-Konzentrationen waren z.T. bis zu 1000-fach geringer als
Quecksilberkonzentrationen, welche z.B. im Gehirn von
Amalgamträgern gefunden werden können. Hg als mögliche AD-Ursache
kann dabei auch das erhöhte AD-Risiko bei Vorhandensein des
Apolipoprotein E4-Allels erklären [142, 143, 144]. In
Autopsiestudien fand sich eine Erhöhung des Hg-Gehaltes von
AD-Gehirnen [145, 146, 147, 148, 149, 150]. Etwa 95% aller AD-Fälle
sind nicht erblich bedingt, weshalb ein noch unbekannter externer
Faktor als Ursache angenommen wird, der hauptsächlich in
Industrienationen anwesend sein muss. Diesem Faktor müssen viele
Personen bereits in jungem Alter ausgesetzt sein, da 1. Schon ein
bedeutender Anteil der 20-jährigen Bevölkerung als pathologisch
einzustufende, alzheimertypische Gehirnveränderungen aufweist, 2.
Diese an Häufigkeit mit dem Alter stark zunehmen und 3. etwa 50
Jahre zur Entstehung der AD benötigt werden. Weiterhin sind 50% der
Menschen über 85 Jahren von AD betroffen und über 90% in dieser
Altersgruppe zeigen diese typischen Gehirnveränderungen, so dass
einem möglichen externen Faktor sehr viele Menschen in
Industriestaaten ausgesetzt sein müssten. Momentan erfährt die
Krankheit einen starken Anstieg. Da sie etwa 50 Jahre zur
Entstehung benötigt, muss dieser externe Faktor vor etwa 50 Jahren
an Verbreitung sehr zugenommen haben. Die Amalgamverwendung nahm
nach dem 2. Weltkrieg stark zu und könnte als der ursächliche
externe Faktor in Betracht gezogen werden. Fischkonsum hingegen
senkt das AD-Risiko.
Belastung des Kindes und Autismus
Amalgamfüllungen der Mütter und Impfungen können einen Risikofaktor
für die Entwicklung von Autismus bei Kindern sein [151].Bei
gesunden Säuglingen findet sich in der Regel ein Zusammenhang
zwischen Anzahl der maternalen Amalgamfüllungen und den
Quecksilberkonzentrationen in ihrem Haar (Haarproben aus dem ersten
Haarschnitt) [152]. Im Gegensatz dazu zeigen aber autistische
Kinder diese Korrelation nicht (hingegen sogar einen leichten,
nicht signifikanten Abfall) [153]. Weiterhin weisen autistische
Kinder im Vergleich zu gesunden Kindern deutlich erniedrigte
Haarquecksilberwerte auf, obwohl die autistischen Kinder während
der Schwangerschaft einer signifikant höheren Quecksilberexposition
ausgesetzt waren (durch eine signifikant größere Amalgambelastung
ihrer Mütter und häufigere Gaben von quecksilberhaltigen
Immunglobulinen) [154]. Der Fischkonsum der Mütter korrelierte
nicht mit dem Autismusrisiko. Es ist bekannt, dass Hg aus
maternalen Amalgamfüllungen die Plazenta und den Fetus erreicht
[155]. Der Quecksilbergehalt in Organen und im Gehirn von
Säuglingen und Kindern steigt linear mit der Anzahl der
Amalgamfüllungen der Mütter. Auch die Anzahl der Amalgamfüllungen
bzw. das Entfernen und Legen von Amalgamfüllungen während der
Schwangerschaft erhöht die Hg-Konzentration im Haar von
Neugeborenen [156]. Diese Befunde deuten darauf hin, dass die
autistischen Kinder aus der Studie von Holmes et al. (2003) trotz
der erniedrigten Haarquecksilberwerte einen erhöhten
Quecksilbergehalt im Gehirn aufweisen, was bei dieser Erkrankung
natürlich nahe liegt. Die autistischen Kinder haben möglicherweise
eine verminderte Fähigkeit, Quecksilber aus ihren Körperzellen ins
Blut und in der Folge ins Haar auszuscheiden [157]. Eine andere
Beobachtung bekräftigt diese Hypothese: Die Quecksilberwerte im
Haar waren bei den schwersten Autismusfällen signifikant niedriger
als bei leichterer Krankheitsausprägung [158]. In Tierversuchen
konnte gezeigt werden, dass eine niedrig-dosierte maternale
Quecksilberdampfexposition zu einer verminderten Lernfähigkeit, zu
Hyperaktivität und Abnahme der Reaktionsfähigkeit bei Nachkommen
führt. Methyl-Hg konnte diese Veränderungen nicht auslösen, wirkte
aber synergistisch zu Hg-Dampf [159]. Die Bildung des
Nervenwachstumsfaktors wird durch geringe Hg-Dampf Exposition
während der Schwangerschaft bei Feten behindert [160]. Weiterhin
fördert eine niedrige pränatale Quecksilberbelastung die
Anfälligkeit für die Entwicklung von Epilepsien bei Tieren [161].
Eine bedeutende Quelle für Quecksilber waren bis vor kurzem
thiomersalhaltige Impfstoffe. Die Exposition zu diesem
Konservierungsstoff in Impfungen wird momentan zusätzlich als eine
Ursache der Autismusepidemie in USA angesehen [162, 163, 164, 165,
166, 167].
Hirnfunktionen
Amalgam-verarbeitende Zahnärzte haben eine erhöhte Hg-Exposition
[168, 169, 170]. Amalgambelastungen, welche als ungefährlich
angesehene Quecksilberkonzentrationen unterhalb anerkannter
Grenzwerte im Urin verursachen, führen zu messbaren kognitiven
Veränderungen [171, 172, 173, 174, 175, 176, 177]. Das Farbensehen
ist durch eine niedrige Hg-Exposition beeinträchtigt [178].
Personal in Zahnarztpraxen zeigt neuropsychologische
Auffälligkeiten [179, 180, 181, 182] bzw. pathologische
Muskelbiopsien.
Ekzeme
Amalgamfüllungen können zu lichenoiden Reaktionen führen [183; 184,
185, 186, 187]. Diese werden durch Amalgamentfernung zu über 90%
geheilt, unabhängig davon, ob eine Allergie im Epicutan-Test
nachgewiesen wurde; ebenso werden Granulomatosen geheilt [188].
Kinderlosigkeit
Die Häufigkeit von Infertilität ist in den letzten 2 Jahrzehnten
von 8 auf 15% gestiegen. Frauen mit einer größeren Anzahl
Amalgamfüllungen bzw. einer erhöhten Hg-Ausscheidung im Urin (nach
DMPS) waren häufiger unfruchtbar als Kontrollen [189, 190, 191].
Zahnarzthelferinnen, die amalgamexponiert sind, zeigen eine erhöhte
Rate an Infertilität [192]. Eine Schwermetallentgiftung führte bei
einem bedeutenden Teil der infertilen Patientinnen zu
Spontanschwangerschaften [193]. Eine Hg-Exposition wird u.a. auch
mit verminderter männlicher Fertilität in Zusammenhang gebracht,
wobei Hg nicht unbedingt für die Infertilität ursächlich ist, diese
aber negativ beeinflusst [194].
Herz- und Kreislauf
Bei Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie konnte in einer
Multielementanalyse eine um das 22.000 fach erhöhte
Quecksilberkonzentration in Herzmuskelbiopsien im Vergleich zu
Kontrollen gefunden werden [195]. Das war die höchste Erhöhung im
Vergleich zu den anderen gemessenen Elementen. Antimon, welches
übrigens auch in Amalgam vorkommen kann, war um das 12.000 fache
erhöht. Es wurde die Vermutung geäußert, dass dies eine Folge der
Amalgambelastung war, da Amalgam eine Hauptquelle der menschlichen
Hg-Belastung ist [196]. Ein erhöhter Hg-Gehalt der Nägel war mit
einem erhöhten Herzinfarktrisiko verbunden [197, 198]. Jedes
Mikrogramm Quecksilber, welches über den Urin ausgeschieden wurde,
erhöhte das Herzinfarktrisiko um 36% [199]. Die Autoren kommen zu
dem Schluss, dass die Vermeidung von Hg in der Umwelt einen
wichtigen Beitrag zur Verminderung von Herz- und
Kreislauferkrankungen darstellen würde [200].Im Tierversuch konnte
durch geringe Hg-Mengen eine Beeinträchtigung der Herzmuskelzellen
beobachtet werden. Hg konnte dabei auch die Anfälligkeit des
Myokards für virale Infektionen und die Sterblichkeit an viraler
Herzmuskelentzündung erhöhen. Berufliche Hg-Exposition geht mit
einer erhöhten Mortalität durch Herz-Kreislauferkrankungen einher
[201]. Amalgam wurde auch mit Bluthochdruck und Herzerkrankungen in
Zusammenhang gebracht [202].
MS
Die Häufigkeit von MS wurde mit der Häufigkeit von Karies [203;
204] und mit Amalgam in Zusammenhang gebracht [205, 206]. Manche
MS-Epidemien traten nach akuter Exposition mit Quecksilber-Dampf
oder Blei auf [207]. Hg führte in Tieren zu einem Verlust der
Schwannschen Zellen, welche die Myelinscheiden aufbauen [208]. Eine
autoimmune Pathogenese inklusive Antikörper gegen Myelin Basic
Protein (MBP) kann durch Hg und andere Schwermetalle ausgelöst
werden [209].Im Liquor von MS-Patienten wurde eine 7,5 fach erhöhte
Konzentration von Quecksilber gefunden [210]. MS-Patienten, die
sich nach Ausbruch ihrer Krankheit Amalgamfüllungen entfernen
ließen, hatten weniger Depressionen, feindselige Aggressionen,
psychotisches Verhalten und quälende Zwänge als eine vergleichbare
Gruppe von MS-Patienten mit Amalgamfüllungen [211]. MS-Patienten
hatten nach Amalgamentfernung signifikant bessere Blutwerte,
weniger Depressionen, weniger Symptome der MS sowie weniger Schübe
[212]. Nach einer Amalgamentfernung konnte bei MS-Kranken eine
Normalisierung der Liquorzusammensetzung anhand der Elektrophorese
beobachtet werden. Dabei verschwanden auch die oligoklonalen Banden
im Liquor [213]. Nach Amalgamentfernung wurde ein Teil von
MS-Patienten geheilt [214].
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Quecksilberdampf wird durch Motorneurone aufgenommen [215] und
führt dort zu vermehrter oxidativer Belastung, was die Entwicklung
von Motorneuronenerkrankungen wie ALS begünstigen kann [216, 217].
Fallberichte zeigen einen Zusammenhang zwischen akzidenteller
Quecksilberexposition und ALS [218, 219]. In Schweden wurde über
eine Frau mit 34 Amalgamfüllungen und ALS berichtet. Nach
Entfernung und Behandlung mit Selen und Vitamin E wurde sie völlig
geheilt [220].
Amalgamsyndrom
Es wird berichtet, dass bei einigen Personen („amalgamsensitive
Personen“) eine Vielzahl von Beschwerden durch Amalgamfüllungen
ausgelöst sein können. Zu den am häufigsten berichteten Symptomen
gehören: Chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Migräne, gesteigerte
Infektanfälligkeit, Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen,
Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen, Vergesslichkeit,
Gelenkschmerzen, Depressionen, Herzsensationen, vegetative
Dysregulationen, Stimmungsschwankungen u.v.m. [221, 222, 223, 224,
225, 226, 227]. Weder Quecksilberwerte in Biomarkern noch
Epicutantests konnten bisher „amalgamsensitive“ von
„amalgamresistenten“ Personen unterscheiden [228, 229]. Es konnte
allerdings gezeigt werden, dass Personen unabhängig vom Auftreten
einer allergischen Hautreaktion mit psychosomatischen Beschwerden
auf einen Epicutantest reagieren können [230]. Es konnte auch
gezeigt werden, dass amalgamsensitive Personen signifikant häufiger
das Apolipoprotein E4-Allel aufwiesen als symptomlose Kontrollen
[231] und seltener das Apo E2. Apo E4 gilt als ein
Hauptrisikofaktor für Alzheimer-Demenz und wird mit einer
verminderten Fähigkeit, Schwermetalle zu entgiften, in Zusammenhang
gebracht, während Apo E2 das AD-Risiko senkt und Schwermetalle
besser binden kann [232, 233, 234, 235]. Andere Forscher fanden bei
„Amalgamsensitiven“ niedrigere Selenspiegel oder eine veränderte
Verteilung von Spurenelementen im Blut im Vergleich zu
„Amalgamresistenten“ [236, 237]. Amalgamsensitive Personen zeigen
häufiger Zeichen einer Sensibilität gegenüber Quecksilber und
Nickel in einem speziellen, validierten
Lymphozytentransformations-Test (MELISA) [238, 239, 240, 241].
Heilungsraten bei Amalgamentfernung
In Studien mit z.T. hohen Fallzahlen wurde nach Amalgamentfernung
(meistens mit aufwendigen Schutzmaßnahmen zur Minimierung der
Quecksilberexposition) über deutliche Verbesserungen des
Gesundheitszustandes oder Heilungen (mit i.d.R. Ansprechraten von
65-80%) der oben angegebenen Beschwerden (u.a. auch Multiple
Sklerose) berichtet [242, 243, 244, 245, 246, 247, 248, 249, 250,
251, 252, 253].
Diskussion
Eine von der schwedischen Regierung in Auftrag gegebene
Risikoanalyse mit Berücksichtigung der Literatur von 1997-2002
kommt zu der Schlussfolgerung, dass Amalgam so schnell wie möglich
aus medizinischen und ökologischen Gründen verboten werden sollte
[254]. Auch andere Autoren bewerten Amalgam als kritisch und
diskutieren sogar mögliche Entgiftungsverfahren [255]. Die
Schlussfolgerungen der schwedischen Risikoanalyse 2003, dass
Amalgam weder medizinisch, arbeitsmedizinisch und ökologisch als
sicheres Zahnmaterial bezeichnet werden kann, ist ernst zu nehmen.
Es gibt möglicherweise eine Anzahl Personen, welche besonders
empfindlich auf Amalgam reagieren bzw. ein höheres Risiko
aufweisen, bei Amalgamexposition Krankheiten wie z.B. die
Alzheimer-Erkrankung zu bekommen. Aufgrund der Häufigkeit von
Beschwerden und Krankheiten, welche vermutlich z.T. durch Amalgam
verursacht oder verschlimmert werden, ist die Verwendung von
Amalgam auch ökonomisch unvorteilhaft. In manchen Fällen kann eine
Entfernung und Ausleitung zu einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes führen. Weitere Informationen sind im Buch:
„Amalgam - Risiko für die Menschheit“ und dem 2005 erscheinenden
Ergänzungsbuch „Amalgam-neue Fakten“ enthalten
Dr. med. Joachim Mutter, Uni-Zentrum-Naturheilkunde Freiburg/
Umweltmedizin, Breisacherstr. 60, 79106
Freiburg,www.uni-zentrum-naturheilkunde.de oder www.altamedinet.de
